From a distance – Heiner Schmitz

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Der Hintergrund zu diesem Buch hat sicherlich mehrere Gründe. Die vier Reisen in den letzten Jahren durch Israel, die Palästinensischen Gebiete und Jordanien, die mich sowohl von den Menschen wie auch von den Landschaften tief beeindruckt haben, waren ein Grund. Mein politisches Interesse an der Situation im Nahen Osten und überhaupt an der arabischen Welt ist ein weiterer Grund.
Die Erarbeitung meines ersten Buches »Palästina – wo die Wüste das Wasser verschlingt« hat mich angesteckt, weiter das Thema zu bearbeiten. Außerdem zähle ich zu der Spezies von Menschen, die von sich behauptet, von einer tiefen Sehnsucht nach Wüste ergriffen zu sein. Von der Sehnsucht, im faszinierenden »Nichts« zu stehen und für Momente mit sich und der Welt alleine zu sein und diese Momente als Höhepunkte zu genießen. Und nicht zuletzt hat dieses Buch auch mit Nostalgie zu tun.

Vor mehr als 40 Jahren 1962, unmittelbar vor dem Beginn meines Studiums, hatte ich das Bedürfnis, durch ein besonderes Erlebnis und durch ungewöhnliche Erfahrungen, meinem zukünftigen Leben etwas voranzustellen. Ich entschied mich damals für eine fast viermonatige Reise durch Nordafrika; auch damals schon von einer Wüstensehnsucht gepackt. In den zwei folgenden Jahren gab es weitere Reisen in diese Regionen.

 

 

Ende 2001 habe ich einen großen Teil dieser Reise wiederholt, wobei mich vor allem bestimmte Punkte auf dieser Reise interessierten, die damals bei mir einen besonders starken Eindruck hinterlassen hatten. Mir ging es nicht darum, Erlebnisse zu wiederholen oder Gleiches wieder zu erleben. Ich war gespannt auf Veränderungen – entweder tatsächliche Veränderungen oder aber, dass ich heute nach 40 Jahren Gleiches anders sehe und empfinde. Ganz gleich konnte es ohnehin nicht sein, dazu waren die Reisen zu verschieden. Die Reisen in den 60er Jahren habe ich mit sehr eingeschränktem Budget und per Anhalter unternommen und sie führten mich nach Tunesien, Libyen und Ägypten. Später aber war ich finanziell etwas unabhängiger und außerdem mit einem Leihwagen oder meinem VW-Bus unterwegs, den ich mir als kleine Wohneinheit hergerichtet hatte.

Eine Woche nach dem 11.September 2001 fuhr ich über die Schweiz und Italien nach Sizilien und setzte nach Tunis über; meine Tagebücher der vergangenen Reisen im Gepäck und verständlicherweise einem etwas unguten Gefühl wegen der schrecklichen Ereignisse in New York und Washington. Viele Freunde und Bekannte haben in großer Sorge versucht, mich von meinem Vorhaben zu diesem Zeitpunkt abzuhalten. Bei meiner Frau muss ich mich entschuldigen, der ich mit meinem Entschluss wesentlich mehr Kummer bereitet hatte, als ich mir vorstellen konnte.

In diesem  Buch sehe ich keinen Reiseführer, auch wenn ich an manchen Orten nicht darum herumkomme, mich fotografisch auch mit den historischen Plätzen zu befassen, die man gerade in diesen Ländern in ganz ungewöhnlich guter Konsistenz findet. Das Buch soll vielmehr in dem Zusammenspiel von Erlebtem durch Ausschnitte aus den Tagebüchern in Verbindung mit der Faszination, die diese Länder und ihre Menschen auf mich immer ausübten, einen Bogen über mehr als vierzig Jahre schlagen.